Glas, durch seine vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten, aber auch wegen der magischen, lichtmanipulierenden Eigenschaften, ist ein Material, das seit ca. 4000 Jahren vom Menschen hochgeschätzt wird, und zeitweise einen ähnlichen Wert wie Gold oder Edelsteine erreicht hatte. Aus dem pharaonischen Ägypten z.B. sind eine große Zahl von Glasarbeiten bekannt, von Gebrauchsgegenständen über Schmuckstücke bis zu Einlegearbeiten von Kultgegenständen. Zu allen Zeiten hatte also der Mensch den Wunsch, sich und seine Umgebung mit edlen Dingen zu schmücken.
"Glas ist kein Naturmaterial, vielmehr werden mehrere Komponenten bei sehr hoher Temperatur in einen neuen festen Zustand umgewandelt. Die Zutaten sind: Quarzsand als Glasmasse, ein Flußmittel zur Senkung des Schmelzpunktes des Quarzes (Soda oder Pottasche), ein Stabilisator, der den lösenden Angriff des Wassers verhindert, sowie Farbstoffe und Trübungsmittel" soweit die Lexikondefinition.
Die Masse wird bei ca. 850 Grad geschmolzen. Auf dem Weg zu dieser hohen Temperatur verändert sich das Material ganz allmählich. Bei Raumtemperatur ist es fest, durchläuft beim Erhitzen verschiedene Stadien: es läßt sich biegen wie Gummi (bei etwas über 500 Grad), ziehen wie ein Gummiband, hat etwas später die Konsistenz von dickem Haferbrei, um schließlich wie Sirup zu fließen (bei ca. 900 Grad). In jedem dieser Stadien bewirkt eine schneller Temperaturrückgang, daß die Glasmasse in der Form erstarrt, quasi "gefriert", die sie in genau diesem Augenblick erreicht hatte. Alle diese genannten Stadien erlauben eine jeweils ganz spezifische Behandlung der Masse wie z.B. Formen oder Gießen. So unterschiedlich diese verschiedenen Daseinsformen sind, so verschiedenartig sind die Ansätze, die ein Künstler beim Be- und Verarbeiten des Materials sucht, von der Massigkeit, oder eleganter ausgedrückt, opaken Stärke - ähnlich wie z.B. bei einem Steinobjekt, bis 'hin zur äußersten Fragilität, wie hier präsentiert, zur zerbrechlichen Transparenz.
In dieser zusammenfassenden Knappheit mag die Arbeit mit dem Werkstoff Glas einfach klingen, und doch ist es so unendlich schwierig, Objekte wie hier ausgestellt zu schaffen. Aspekte wie die Problematik des Zusammenschmelzens verschiedener Gläser, die Wirkung der Farben, das Zusammenspiel mit den eingebrannten Materialien und die Stabilität der Arbeit nach dem Brennvorgang müssen bedacht werden und machen den kreativen Prozeß dadurch so ungeheuer spannend. Neben dem künstlerischen ist auch großes technisches Geschick notwendig, um das geplante und erwünschte Ergebnis nach dem Schmelzvorgang zu erzielen.
In der Natur kommt Glas wohl nur in Form von durch Blitzschläge verbackene Sandgemenge vor, und es ist nur entfernt mit ähnlich anmutenden Edelsteinen verwandt. Durch den Mensch wird Glas schon seit der Bronzezeit hergestellt, eine frühe Hochkultur fand sich im ägyptischen Raum.
Glas kann unter gewissen Bedingungen auskristallisieren und einen keramischen (undurchsichtigen) Charakter annehmen. Aufgrund verschiedener Ausdehnungskoeffizienten können nicht alle Sorten verschmolzen werden. Ungeeignete Mischungen zerspringen bzw. bersten beim oder nach dem Abkühlen. Glas besitzt einen recht breiten Schmelzbereich, in dem es sich wachs- bis honigartig verhält, das Rohstoffgemenge wird bei ca. 1400 Grad vereinigt. Tatsächlich muss man diesen Werkstoff als eine bei Raumtemperatur erstarrte Flüssigkeit betrachten, als eine sogenannte "amorphe Masse"

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